Auf den Deckel gekriegt | DTM.com | Die offizielle Webseite
2000-08-15 15:51:18

Auf den Deckel gekriegt

Endlich ist der Schuldige für die Reifenschäden an den vier schnellsten Opel auf dem Sachsenring geklärt: Die Piste trägt Schuld. Ein Gullideckel neben der letzten Schikane vor Start/Ziel soll die Pneus ramponiert haben.

Noch am Sonntagabend schwante den Dunlop-Technikern Böses. Nachdem sie die geplatzten Reifen von Joachim Winkelhock, Uwe Alzen, Eric Helary und dem Tabellenzweiten Manuel Reuter in Augenschein genommen hatte, brach eine Hanauer Delegation zu einer Exkursion rund um den Sachsenring auf.

Als der Expeditionstrupp in der letzten Schikane vor der Start/Ziel-Geraden ankam, machten sie eine erstaunliche Entdeckung: Innen neben den Randsteinen ragte die Einfassung eines Kanaldeckels zentimeterweit aus dem Erdreich hervor. Eilends kramte man aus der Marschverpflegung eine Cola-Dose hervor – mangels Zollstock musste die Dose als Meßlatte herhalten. "Und die war zu zwei Dritteln weg", rekapituliert Ferdinand Piringer, der Motorsport-Manager von Dunlop. "Daran können Sie sehen, wie groß der Höhenunterschied war." Auch an anderen Punkten neben dem Sachsenring lauerten hohe Absätze entweder zwischen Grünstreifen und Kerbs oder zwischen Gras und Strecke auf die Tourenwagen-Piloten. Wer den Grünstreifen gar arg in die Ideallinie mit einbezog und durch extremes Räubern über die Kerbs schnell unterwegs war, der bekam dafür scheinbar die Quittung in Form von Reifenschäden. "Das ist vergleichbar, als ob man mit hoher Geschwindigkeit auf einen Bordstein auffährt", erklärt Piringer den Effekt des Kanaldeckel-Hopping.

Die technische Erklärung liefert er auch gleich mit: "Der Reifen wird gequetscht und aufs Felgenhorn gedrückt. Dadurch gehen einige Fäden der Karkasse kaputt. Die restlichen werden im Laufe der Zeit durch die höhere Beanspruchung ebenfalls zerissen – und dann kommt es zu solchen Defekten."

Die Reifen-Fallen von Hohenstein-Ernstthal dürften ihren Ursprung darin haben, dass die Strecke ursprünglich für Motorräder konzipiert war. Mit denen kann man nicht über Kerbs und Grasnabe wummern. Deswegen waren fürs DTM-Rennen an vielen Stellen neben der Strecke die Erde nur recht lose aufgeschüttet – und wurde beim Räubern im Laufe der Veranstaltung mehr und mehr abgeräumt, so dass die bewussten Kanten entstanden. Reifen-Opfer Manuel Reuter weist zurück, man sei im Rennen jenseits von Gut und Böse über und neben den Sachsenring geknallt: "Wie man mit dem Tourenwagen halt so fährt", unterstützt der Mainzer die Theorie der Ausrichtung als Zweirad-Strecke. Dabei staunte der Familienvater allerdings, dass irgendwann im Laufe des Wochenendes Plastikpylonen neben der betreffenden Schikane vor der Start/Ziel-Geraden entfernt worden waren und die Piloten ihre Ideallinie entsprechend großzügiger auslegen konnten.

Dafür wiederum lieferte Wolfgang Wirth, der Pressesprecher vom Sachsenring, eine Erklärung: "Die Poller sind nach den Trainings am Freitag nicht mehr aufgestellt worden – das war eine übereinstimmende Entscheidung von der Rennleitung und den Sportkommissaren. Denn die Fahrer haben die in jeder zweiten Runde weg geschrotet. Der Gullideckel steht in der Wiese – der ist etwa zwei Meter von der Rennstrecke weg." Rennleiter Bernd Riedel wies deshalb im Gespräch mit Wirth alle Schuldzuweisungen an den Sachsenring entschieden zurück: "Da fährt doch keiner lang."

Dass Kanaldeckel dramatischen Einfluß nehmen, ist im Motorsport übrigens kein Novum: Bei einem Gastspiel der Gruppe-C-Sportwagen-Weltmeisterschaft 1990 im kanadischen Montreal hebelte ein Gullideckel den Brun-Porsche von Jesus Pareja aus. Nach dem folgenden Mauereinschlag ging der 962C in Flammen auf.

So gesehen, hatte das Opel-Quartett auf dem Sachsenring noch Glück im Unglück...

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