Ein Münchner in Chemnitz | DTM.com | Die offizielle Webseite
2000-08-02 17:53:23

Ein Münchner in Chemnitz

Obwohl Mercedes-Werksfahrer Thomas Jäger seit 1982 in München wohnt, genießt er beim bevorstehenden Rennen auf dem Sachsenring Heimrecht – denn der Tourenwagen-Neuling stammt gebürtig aus der Nähe von Chemnitz. Der Exil-Sachse über seine Aussichten für das Heimrennen.

Auf der Autobahn holten ihn die Gefühle ein. "Es macht natürlich besonderen Spaß, wenn viele Leute an die Strecke kommen und mitfiebern, die man noch von früher kennt", sinnierte Thomas Jäger, als er am Mittwoch von seiner Zwei-Zimmer-Wohnung im südlichen Münchner Stadteil Harlaching gen Sachsenring aufbrach. "Meine ganzen Cousinen, Onkels und Tanten wohnen ja immer noch da in Sachsen – und auch von früher, aus dem Kindergarten, kenne ich noch einige, mit denen ich in Kontakt geblieben bin."

Flucht aus der DDR
Trotz der mittlerweile 18 Jahre in München hat der heute 23-Jährige seine Wurzeln nicht vergessen: Er stammt aus Griesbach, südlich von Chemnitz und damit auch recht nah am Sachsenring gelegen – von wo aus sein Vater Manfred, ein ehemaliger Motorrad-Enduro-Europameister, die Chance eines Rennens außerhalb der damaligen DDR zur Flucht in den Westen nutzte. 1982, als Thomas fünf und seine Schwester Heike neun Jahre alt war, holte der Vater den Rest der Familie nach – seitdem ist die bayrische Landeshauptstadt die neue Heimat der Jägers. "Das ist ganz witzig", lächelt der Rotschopf: "Weil´s keine DTM-Fahrer aus München und keine aus Sachsen gibt, kriege ich immer die doppelte Aufmerksamkeit der Medien."

Grundausbildung im Rennfahrer-Internat
Nicht nur wegen des Heimspiels fuhr Jäger am Mittwochnachmittag voller Vorfreude nach Hohenstein-Ernstthal. "Ich freu´ mich auch auf die Strecke", sagt er. "Sie ist anspruchsvoll und abwechslungsreich, jede Runde macht wieder neu Spaß." Dabei befindet sich Jäger immer noch im Umbruch: Nach der Grundausbildung im französischen Rennfahrer-Internat "La Filière" in Le Mans und zwei Jahren in der Deutschen Formel 3-Meisterschaft, die 1999 im KMS Benetton Juniorteam mit dem dritten Gesamtrang gekrönt wurde, hat Jäger noch den Formel-Fahrstil in Fleisch und Blut.

Auch die Saison 1997 in der Renault Sport Spider-Trophy half da nicht sonderlich weiter. "Die Kohlefaser-Bremsen", analysiert er seinen derzeitigen DTM-Dienstwagen, "sind nicht leicht zu dosieren. Im Formel-Auto hat man immer voll reingetreten, weil man auch den Abtrieb mehr nutzen konnte. In der DTM muss man langsam Druck aufbauen und den dann stetig erhöhen. Wenn man zu früh zu hart auf die Bremse tritt, dann bleiben sofort die Räder stehen."

Problem mit dem Getriebe
Nachdem die Bremszylinder an seinem Mercedes, den das Team von Hans-Werner Aufrecht einsetzt, zwei Mal gewechselt werden mussten und beim letzten Test auf dem Nürburgring obendrein noch ein Problem mit dem Getriebe auftrat, hofft der zurückhaltende, intelligente Analytiker mit dem gesunden Selbstbewußtsein jetzt, dass fürs Heimrennen alle Probleme aussortiert sind – und dass der Sachsenring seinem Fahrstil entgegen kommt: "Ich war im Formel-Auto einer, der immer sehr rund gefahren ist und viel Geschwindigkeit durch die Kurven mitgenommen hat. In der DTM muss man vor der Kurve bremsen, das Auto dann förmlich umlegen und wieder aufs Gas gehen." Was speziell auf dem kurvigen Sachsenring, auf dem vor zwei Wochen beim Motorrad-Grand-Prix die 500er-Piloten nie aus der Schräglage hochkamen, eine knifflige Angelegenheit ist. "Aber wenn man in den Bergauf-Passagen zu eckig fährt", weiß Jäger aus seiner Formel 3-Zeit, "dann verliert man zu viel Schwung. Das sollte meinem Fahrstil wieder zugute kommen."

Tickets 2019

Tickets 2019

Jetzt Tickets für die DTM-Saison 2019 im Vorverkauf bestellen.

Zur Übersicht

Zur Übersicht.

Bosch

DTM.tv

Action pur und gute Unterhaltung: Bewegende Bilder rund um die DTM.

Mehr sehen