„Ich hatte in der DTM-Familie eine unglaublich tolle Zeit“ | DTM.com | Die offizielle Webseite
2018-10-17 11:15:00

„Ich hatte in der DTM-Familie eine unglaublich tolle Zeit“

„Ich hatte in der DTM-Familie eine unglaublich tolle Zeit“

Gary Paffett strahlte über das ganze Gesicht, als er am späten Sonntagnachmittag die große Sieger-Trophäe in die Luft reckte. Zum zweiten Mal nach 2005 kürte sich der Brite mit Mercedes-AMG zum DTM-Champion. Entsprechend ausgelassen war die Stimmung. „Die Party war super“, sagt Paffett im Gespräch mit DTM.com. „Leider war sie zumindest für mich viel kürzer, als man es von einer ordentlichen Meisterfeier erwarten würde, denn ich musste am Montag bereits nach Valencia zu meinem ersten Formel-E-Test anreisen.“

Nach dem Titelgewinn folgte eine Welle der Begeisterung

Unmittelbar nach der Siegerehrung schwappte eine Welle der Begeisterung über Paffett herein. Neben persönlichen Gratulationen quoll auch sein Mobiltelefon förmlich über. „Das ist ja heutzutage gar nicht mehr so einfach“, grinst Paffett, „weil es neben normalen Kurznachrichten auch noch WhatsApp gibt, den Facebook-Messenger, und und und. Mir haben enge Freunde genauso gratuliert, wie Leute, die ich seit Jahren nicht mehr getroffen habe. Es hat schon einige Zeit gebraucht, um alle Nachrichten zu beantworten.“ Besonders gefreut haben Paffett aber die persönlichen Glückwünsche seiner Konkurrenten. „Marco ist nach dem Rennen direkt zu mir gekommen und hat sehr aufrichtig gratuliert“, erinnert sich Paffett. „Auch René hat sich sehr für mich gefreut. Gegen die Jungs bin ich das ganze Jahr Rennen gefahren. Das bedeutet mir sehr viel.“

Paffett hatte also wenig Zeit darüber nachzudenken, was ihm in dieser Saison für ein Husarenstück gelungen ist. „Ich verarbeite das peu à peu – jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke. Für diesen Titel habe ich ein ganzes Jahr lang hart gearbeitet. Und am Ende zum zweiten Mal etwas erreicht, was vor mir noch nicht viele geschafft haben.“ Auch wenn sein erster Titel schon 13 Jahre zurückliegt, erinnert sich Paffett noch genau daran. „Es war damals viel einfacher. Der Titel kam für mich sehr schnell. In diesem Jahr musste ich dafür deutlich mehr kämpfen.“

Zu Saisonbeginn gepunktet, am Ende clever verwaltet

Den Grundstein für den Titel hat Paffett bereits beim Auftakt in Hockenheim mit einem Sieg und einem dritten Platz gelegt. Es folgten weitere Siege in der Lausitz und in Zandvoort. Insgesamt fuhr er zehn Podestplätze ein. „Die Jungs von HWA haben über den Winter einfach einen perfekten Job gemacht“, lobt er die Mannschaft hinter ihm. „Die Regeländerungen mit der beschnittenen Aerodynamik waren nicht ohne. Aber sie haben es geschafft, das schnell zu verstehen und ihre ganze Erfahrung in die Waagschale geworfen. So hatte ich einen sehr guten Saisonstart.“ 

Das änderte sich in der zweiten Hälfte. Mitstreiter Rast war ab dem Nürburgring nicht mehr zu bremsen und startete eine fulminante Aufholjagd. „Ich habe schnell gemerkt, dass ich René im Meisterschaftskampf mehr würde beachten müssen als Paul. René hatte am Schluss einfach das Momentum auf seiner Seite. Und ich selber war über die gesamte Saison konstanter als Paul.“ Paffett sieht einen Aspekt der ab dem Nürburgring aufsteigenden Tendenz bei Audi in den seinerzeit eingeführten Regeländerungen im Reifenreglement. „Ich glaube nicht, dass diese eingeführt wurden, um uns zu schaden – da möchte ich nicht falsch verstanden werden“, sagt er. „Aber Audi kam das einfach mehr zugute als uns. Es hat die Art, wie mein Fahrzeug funktioniert hat, verändert. Im Qualifying war ich weiterhin sehr stark, aber im Rennen hat unsere Pace gelitten.“ So hieß das Motto für die letzten beiden Saisonrennen Schadensbegrenzung. „Für die beiden Finalrennen war mein Ziel, einfach möglichst nah an René dran zu bleiben.“

Das Rennen am Sonntag war für Paffett ein echter Krimi. Gemeinsam mit seinem Team hatte er alle möglichen Konstellationen durchgerechnet, wann er den Titel gewinnen würde. „Als René anfangs nur Zweiter war, konnte ich entspannen, weil mir Platz sieben gereicht hätte. Dann hat René die Führung übernommen. Auch das war noch kein Problem, schließlich hatte ich früh einen großen Vorsprung auf Platz vier herausgefahren. Etwas nervös wurde ich erst drei Runden vor Schluss, als plötzlich Nico in meinem Rückspiegel auftauchte. Ich habe dann sehr konzentriert darauf geachtet, ob er seinen Rückstand weiter verkürzen würde. Als das nicht der Fall war, habe ich die letzte Runde entspannt angehen lassen. Das waren sehr emotionale Momente.“

Schwerer Abschied von der DTM – Paffett bleibt Mercedes-Benz treu

Mercedes-AMG steigt nach 30 Jahren aus der DTM aus. Der Abschied fällt Paffett nach 15 Jahren in der DTM ausgesprochen schwer, wenngleich er ihn als alternativlos erachtet. „Ich hatte in der DTM-Familie eine unglaublich tolle Zeit, die ich nicht missen möchte. Die Fahrzeuge haben viel Power und sind sehr spektakulär. Durch das Engagement der Hersteller kommen viele Topfahrer in der DTM zusammen. Der Wettbewerb ist enorm. Und das wünscht sich jeder Rennfahrer. Vielleicht hätte es auch die Möglichkeit gegeben, in einem anderen Team in der DTM unterzukommen. Mir war allerdings von vorneherein klar, dass ich nach den letzten 15 Jahren Mercedes treu bleiben wollte. Mein Herz schlägt für den Stern. Und deshalb gehe ich meinen Weg mit ihnen weiter.“ 

Dieser führt Paffett nun in die Formel E, wo er bereits am Dienstag den ersten Test für HWA Racelab absolvierte. „Die Umstellung war hart“, gesteht Paffett. „Die Aerodynamik, die Leistung und die Kraftübertragung, einfach das komplette System – im Vergleich zur DTM bewege ich mich jetzt in einer vollkommen anderen Welt. Ich habe heute auf den ersten Runden sehr viel mit durchdrehenden Rädern zu kämpfen gehabt. Nach 15 Jahren fühle ich mich zum ersten Mal wieder wie ein Rookie – und das mit 37. Das wird eine große Herausforderung, der ich mich nun stelle.“

Gary Paffett sagt danke


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