Jamie Green: „Ich ziehe es vor, in der Realität zu leben“ | DTM.com | Die offizielle Webseite
2016-06-24 19:15:00

Jamie Green: „Ich ziehe es vor, in der Realität zu leben“

  • Jamie Green gratuliert Miguel Molina am Lausitzring zum Sieg. In dieser Saison 2016 durfte der Brite noch keinen eigenen Triumph bejubeln.
  • Um solche Ausritte zu vermeiden, schaut sich Green beim Trackwalk die Strecke genau an.
  • Zu allem bereit: Jamie Green fühlt sich in der Rolle als Jäger pudelwohl.
  • Soziale Medien sind nicht so das Ding von Green. Posts wie diese sind im Vergleich zu einigen Kollegen eher selten.

Vier Erfolge feierte Jamie Green in seiner Karriere auf dem Norisring und ist damit der erfolgreichste DTM-Pilot auf dem Stadtkurs. Seit er im Jahr 2013 von Mercedes-AMG zu Audi wechselte, ist ihm ein weiterer Sieg in Nürnberg jedoch vergönnt gewesen. Warum sich das in diesem Jahr ändern kann, warum der Trackwalk für die Fahrer von besonderem Wert ist, was er von den sozialen Medien hält und mit welchen Mitteln er Fans für die DTM gewinnen möchte – darüber sprach der Brite mit DTM.com vor dem ersten Freien Training am Freitag.

Jamie, das vergangene Rennen liegt drei Wochen zurück. Wie hast du die rennfreie Zeit verbracht? Hast du Urlaub gemacht?
Jamie Green:
„Nein, keinen Urlaub. Zwei meiner Kinder hatten schließlich Schule und mein drittes Kind ist ja erst ein paar Wochen alt. So bin ich mit meiner Familie Zuhause in Monaco geblieben. Es war wirklich schön, mal zehn Tage am Stück daheim zu sein. Seit meine Tochter geboren wurde, war das erstmals möglich. Ich habe die Kinder zur Schule gebracht, meiner Frau geholfen und mein Fitnesstraining absolviert. Von neun bis drei Uhr habe ich gearbeitet – Fitness, E-Mail, Telefonate. Was halt so getan werden muss. Ansonsten war ich einfach nur Vater und Ehemann, habe außerdem noch ein wenig Sport im Fernsehen geschaut – einige Radrennen und natürlich die Fußball-EM.“

War auch Zeit zu feiern? Schließlich hattest du am 14. Juni deinen 34. Geburtstag.
„Es gab keine Party. Aber meine Frau und ich sind in ein wirklich nettes Restaurant in Monaco gefahren als die Kinder in der Schule waren. Ein schönes Glas Wein und ein richtig gutes Steak – es war ein toller Tag.“

Jetzt ist die Familienidylle wieder vorüber, oder ist deine Familie mit zum Norisring gereist?
„Wie gesagt, die Kinder müssen ja noch zur Schule. Außerdem ist es wirklich sehr anstrengend mit drei Kindern zu reisen, besonders wenn eines davon noch ein Baby ist. Nein, meine Familie ist Zuhause geblieben.“

Wann bist du denn hier am Norisring eingetroffen?
Bereits am Donnerstagmorgen. Wir hatten gestern ein Social-Media-Training.

Und? Was hast du gelernt?
Wie sich die Medienlandschaft wandelt, welche Macht die sozialen Medien inzwischen haben. Dass nur die sozialen Medien dir die Chance geben, deine ungefilterte Meinung der Welt kundzutun.

Diese Chance nimmst du bisher nicht allzu sehr wahr, oder?
„Nicht so richtig. Ich bin davon nicht so besessen wie jüngere Menschen, die mit diesen Dingen ja groß werden. Ich ziehe es vor, in der Realität zu leben (lacht). Es ist mir nicht wichtig, jeden Tag ein besonders gelungenes Foto von mir zu posten. Seit mein drittes Kind geboren wurde habe ich eigentlich gar nichts mehr gepostet. Ich bin jedoch Rennfahrer und ich weiß, dass es manche Leute wirklich interessiert, wie ich meinen Tag an der Rennstrecke verbringe. Ich sollte wirklich mehr posten und werde das auch wieder tun.“

In unserer Rubrik ‚24 Fahrer – 24 Fragen’ hast du geschrieben, dass du auch gerne Sänger geworden wärest, weil die eine besonders starke Bindung zu ihren Fans haben. Wie wirst du denn in England gesehen? Bist du dort populär?
„Nein, absolut nicht. Wenn ich jemandem sage, dass ich DTM-Fahrer bin, kann damit eigentlich niemand was anfangen – außer absolute Motorsportfreaks. Das liegt aber auch daran, dass die DTM nicht im Free-TV übertragen wird. Für mich ist das absolut positiv. Ich kann ein ganz normales Leben führen und außerdem hatte ich noch nie das Bedürfnis, berühmt zu sein. Ich mag es einfach Rennen zu fahren, das motiviert mich. Keine Popularität. Wohl auch einer der Gründe, warum ich nicht so besessen von sozialen Medien bin. Ich meine, vielen geht es da doch nur darum, gut auszusehen und coole Sachen zu sagen – das wirkt manchmal extrem gekünstelt. Ich möchte lieber als ein normaler, echter und ehrlicher Typ wahrgenommen werden.“

Das mag sein. Aber Facebook, Twitter und Co. sind definitiv Wege, Fans zu generieren – was ja nun nicht unwichtig für die DTM ist...
„Das stimmt. Und deshalb werde ich sie in Zukunft ja auch häufiger nutzen. Auf meine Art.“

Was könnte noch unternommen werden, um mehr Menschen für die DTM zu begeistern?
Keine leichte Frage. Wir sind auf jeden Fall auf einem guten Weg. Was wir beispielsweise schon immer hatten, ist ein offenes Fahrerlager – in der Formel 1 derzeit absolut undenkbar. Ich denke, dass die DTM eine enorme Fannähe bietet. Was einfach das große Problem ist: Im Fernsehen sieht das alles so einfach aus. Man kann die Intensität dieses Sports nur sehr schwer auf die Sofas im heimischen Wohnzimmer transportieren. Wenn du an der Strecke bist, spürst du die Power der Motoren, spürst wie der Boden bebt. Vielleicht könnte man da mit wesentlich mehr Informationsgrafiken Abhilfe schaffen: beispielsweise Pulsfrequenz oder die Temperatur im Auto. Außerdem sollte auch ersichtlich werden, wie viel DRS ein Fahrer zur Verfügung hat und wann er es benutzt. Das könnte dem Zuschauer einen zusätzlichen Einblick in die Strategie geben und so manches Duell noch spannender machen.

Spannende Duelle hast du hier in Nürnberg schon einige erlebt, du bist hier zum zwölften Mal. Kennst du eigentlich auch die Stadt oder nur die Rennstrecke?
„Früher habe ich mit meiner Frau einige Restaurants hier besucht. Auch war ich schon mal im Dokumentationszentrum – dem Museum an der Strecke. Aber die Wochenenden sind inzwischen so vollgepackt, das dafür keine Zeit mehr bleibt. Jede Minute die mir bleibt, versuche ich zur Entspannung zu nutzen. Ich habe wirklich nicht die Energie zum Sightseeing.“

Am Freitagmorgen hat das Rennwochenende für euch mit dem Trackwalk begonnen. Du hast gesagt, dass der Kurs hier von Jahr zu Jahr welliger wird. Kannst du solche Veränderungen bereits beim Trackwalk feststellen?
„Mit bloßem Auge ist das eigentlich nicht so richtig zu sehen. Man fühlt das erst im Auto. Da spürst du die Bodenwellen dann mit aller Wucht. Das ist teils unglaublich. Auf dem Lausitzring war dies beispielsweise der Fall. Die Bodenwellen dort waren extrem.“

Bodenwellen kannst du also erst im Freien Training am Freitag wirklich analysieren. Warum also dieser Trackwalk? Was bringt er euch?
„Ein Kurs verändert sich von Jahr zu Jahr. In Spielberg gab es zum Beispiel neue Curbs, einen neuen Asphalt. Hier am Norisring sind immer wieder andere Stellen mit neuem Asphalt  ausgebessert. Man guckt sich den exakten Verlauf der Kurven an und versucht herauszufinden, wie man sie am schnellsten durchfahren kann. Jede Kurve ist anders, hat ihre eigene Charakteristik. Da muss man sich eine Taktik zurechtlegen.“

Und im Freien Training stellst du deine Ideen dann auf die Probe, machst sozusagen das Feintuning?
„Das Problem dabei: du hast nur eine halbe Stunde. Hier in Nürnberg brauchst du die ersten zehn Minuten, um deinen Rhythmus zu finden. Dann hast du nur noch 20 Minuten. Da bleibt nicht viel Zeit zum feintunen. Außerdem verändert sich die Strecke im Laufe des Wochenendes, besonders hier in Nürnberg. Der Kurs wird sauberer, je öfter wir fahren. Außerdem bleibt mehr Gummi auf der Strecke. Beides führt dazu, dass man schneller wird.“

Nach deinen vier Norisring-Siegen im Mercedes steht mit Audi ein zweiter Platz aus dem Jahr 2014 als bestes Resultat zu Buche. Wärst du damit an diesem Wochenende auch zufrieden?
„Das Ergebnis war schon gut. Aber ich und auch mein Hersteller wollen hier so gerne gemeinsam gewinnen. Und genau das ist unser Ziel an diesem Wochenende. Im Vorjahr war mein Auto 17,5 Kilo schwerer als einige Konkurrenten von Mercedes, sogar 30 Kilo schwerer als einige BMW. Und es hat trotzdem zum siebten Platz gereicht. Ich glaube, es ist möglich dieses Mal ganz vorne zu stehen, auch wenn die Strecke den Mercedes immer besonders gelegen hat.“

Vor allem trifft das auf Robert Wickens in den vergangenen Jahren zu. Ist er der Topfavorit?
„Auf dem Papier auf jeden Fall. Er hat hier super konstante Leistungen gezeigt. Ja, er ist der Favorit.“

Du hast 13 Punkte Rückstand auf Robert. Wie gefällt dir die Rolle als Jäger?
„Im Moment wirklich gut. Ich stehe nicht so im Rampenlicht und habe dennoch keinen großen Rückstand. Eine wirklich angenehme Situation. 13 Punkte – das ist ja nichts. Wir haben am Lausitzring gesehen, wie schnell das Klassement durcheinandergewirbelt werden kann. Paul Di Resta kam als Führender und ist nun auf Platz sechs abgerutscht. Nach dem Norisring sind es immer noch fünf Rennwochenenden in diesem Jahr – es ist also noch alles möglich. Ja, mir gefällt meine momentane Rolle als Jäger wirklich gut.“

Tickets 2019

Tickets 2019

Jetzt Tickets für die DTM-Saison 2019 im Vorverkauf bestellen.

Zur Übersicht

Zur Übersicht.

Dabei sein

Ein Besuch bei der DTM ist Pflicht

Du warst noch nie bei der DTM? Wir zeigen Dir, warum ein Besuch bei der DTM Pflicht ist.

Erfahre mehr

Erfahre mehr über die DTM

DTM.tv

Action pur und gute Unterhaltung: Bewegende Bilder rund um die DTM.

Mehr sehen