Kohlenhydrate - das "Benzin" für die Rennfahrer | DTM
2002-05-29 12:15:04

Kohlenhydrate - das "Benzin" für die Rennfahrer

Was für den Rennwagen das Benzin ist, sind für Rennfahrer die Kohlenhydrate. Die körperliche und mentale Fitness der Piloten spielt eine immer größere Rolle im Kampf um Sekundenbruchteile, wie er in der DTM, die am ersten Juni-Wochenende auf dem Sachsenring ihren vierten Saisonlauf austrägt, an der Tagesordnung ist. Besonders wichtig ist die richtige Ernährung, in erster Linie die Aufnahme von reichlich Kohlenhydraten, enormen Flüssigkeitsmengen und wichtigen Mineralstoffen und Vitaminen.

"Genauso wie die Techniker dürfen auch wir Rennfahrer nichts dem Zufall überlassen", erklärt Joachim Winkelhock (Opel Team Phoenix). "Richtiges Essen und Trinken haben einen direkten Einfluss auf die Leistungsfähigkeit", bestätigt Opel-Teamarzt Dr. Andreas Bickelhaupt. Wozu falsche Ernährung führen kann, weiß Timo Scheider (Opel Team Holzer), derzeit punktbester Opel-Pilot, aus eigener Erfahrung: "Bei meinem ersten DTM-Rennen vor zwei Jahren in Hockenheim habe ich vor Aufregung und Zeitmangel nur gefrühstückt, vor dem Rennen nichts mehr gegessen und kaum etwas getrunken. Im Rennen bekam ich dann Schwindelanfälle, war kurz vor einem Kollaps und musste ärztlich behandelt werden."

Keine Erholung im Cockpit
Rennfahrer sind Ausdauersportler. Eine Renndauer von 45 Minuten erfüllt zweifelsohne dieses sportmedizinische Kriterium. Anders als beispielsweise die Fußball-Nationalspieler bei den Spielen zur Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea, die während 90 Minuten Spieldauer längere Regenerationsphasen erleben, gibt es während 45 Minuten Renndauer keinerlei Entspannung, selbst beim Boxenstopp nicht. Dazu kommen in den DTM-Tourenwagen wie dem Opel Astra V8 Coupé enorm hohe Temperaturen von bis zu 70 Grad im Cockpit, wobei der Rennfahrer mit feuerfester Unterwäsche, feuerfestem Overall, Kopfhaube, Helm und Handschuhen in einer Art "rasender Sauna" sitzt.

Von der Fahrzeug-Balance zu balancierten Getränken
Gerade durch die hohen Temperaturen ist auch der Flüssigkeitsverlust extrem. Zwei Kilogramm und mehr Gewichtsverlust während eines DTM-Rennens sind durchaus normal. Umso wichtiger ist es, den Flüssigkeitshaushalt regelmäßig auszugleichen. Reichlich Wasser – "drei Liter und mehr am Tag", so Manuel Reuter, zuletzt in Donington auf der Pole-Position – ist die Regel, wobei die Wasseraufnahme in Form von – verdünnter – Apfelsaft-Schorle besonders beliebt ist.

Spätestens zwei Stunden vor dem Start greifen die Piloten zu ihren persönlichen Trinkflaschen mit speziellen Getränken, die Dr. Andreas Bickelhaupt, Sportmediziner, Chirurg und Unfallchirurg mit eigener Praxis in Göppingen, für jeden Fahrer und vor allem abhängig vom Wetter mischt. "Nicht nur die so oft angesprochene Fahrzeug-Balance ist wichtig für den Erfolg, sondern auch die Aufnahme von ‚balancierten Getränken’, mit denen Kalzium, Natrium und Magnesium in spezifischen Mengen zugeführt werden. Zudem werden die Vitamine C und E ergänzt, zur Stärkung des Immunsystems und für eine bessere Regeneration." Wenn Krämpfe auftreten oder Extrembelastungen bevorstehen, können zudem Elektrolyte in hoher Konzentration durch Infusionen verabreicht werden.

Kohlenhydrat-Speicher muss rechtzeitig gefüllt werden
Ebenso bedeutungsvoll wie der Flüssigkeitshaushalt ist der so genannte Kohlenhydrat-Speicher. Dieser Energie-Vorrat wird zielorientiert zum Rennwochenende hin aufgebaut und gesteigert. Dabei existieren zweierlei Techniken, das so genannte "Tapering" und die "Crash-Diät". Beim Tapering werden dem Körper über eine Woche hinweg kontinuierlich Kohlenhydrate zugeführt. Dabei liegt der Bedarf für einen Ausdauersportler gut und gerne bei rund 5000 Kalorien täglich. Zum Vergleich: Wer am Schreibtisch tätig ist, kommt locker mit weniger als der Hälfte aus. Während beim normalen Menschen der Kalorienbedarf zu jeweils 20 Prozent aus Fett- und Aminosäuren sowie 60 Prozent aus Kohlenhydraten (Nudeln, Reis, Kartoffeln, Gemüse) abgedeckt wird, sollte der Rennfahrer maximal je zehn Prozent der Kalorien aus Aminosäuren und Fettsäuren beziehen, den Rest aus Kohlenhydraten. "Meine Ernährung besteht auch unter der Woche zu achtzig Prozent aus Nudeln, dazu viel Salat, möglichst kein Fett", bestätigt Timo Scheider.

Manuel Reuter, der sich vor allem mit Triathlon fit hält, erklärt die "Crash-Diät": "Bei dieser Methode wird der Kohlenhydratspeicher im Körper zuerst entleert, wodurch anschließend durch Einsatz eines Kohlenhydratgels ein effizientes ‚Carbo-Loading’ erfolgt."

Mentale Stärke kommt auch mit der Ernährung
Der Motorsport weist besondere Belastungen auf, die sich auf die Leistungsfähigkeit der Piloten auswirken. So besteht eine erhebliche Wechselbelastung der Muskelgruppen, beispielsweise je nach Kurvenverlauf, beim Bremsen oder Schalten. Neben der muskulösen Belastung kommt noch die Ausdauer-Belastung hinzu. Die dauerhafte Anspannung führt zu derart hohen Herzfrequenzen, dass Stresssituationen kaum noch messbar sind. Schließlich definiert sich Leistungsfähigkeit auch über körperliche und seelische Aspekte. Letztere sollten gerade in so populären und medialen Sportarten wie dem Motorsport nicht unterschätzt werden.

"Ernährung, die primär körperlichen Aspekten dient, deckt bei weitem nicht das Belastungsspektrum des Motorsports ab, auch wenn körperliche Fitness auch mentale Stärke bewirkt", so Dr. Andreas Bickelhaupt (42). Bei der Betreuung der Opel-Piloten sowie eines Handball-Bundesligisten (Frisch Auf Göppingen) und einiger Leichtathleten folgt der Opel-Teamarzt den Richtlinien des ‚American College of Sports Medicine" in Seattle, dem er selbst seit 1995 angehört.

Opel-Youngster Timo Scheider bringt es auf den Punkt: "Ab und an brauche ich einfach ein Stück Kuchen für meinen Seelenfrieden."

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