Lausitzring-Analyse: Ein Thema für Peter Reichert | DTM.com | Die offizielle Webseite
2017-05-25 13:15:00

Lausitzring-Analyse: Ein Thema für Peter Reichert

Lausitzring-Analyse: Ein Thema für Peter Reichert

Er ist „The voice of DTM“. Peter ‚Richie’ Reicherts markante Stimme schallt seit 2007 an den Rennstrecken über die Lautsprecher. Zusammen mit Oliver Sittler kommentiert er nicht nur für die Zuschauer vor Ort die „Champions League des Tourenwagensports“ – auch im Livestream der DTM ist er zu hören. Für DTM.com analysiert der Streckensprecher und Kommentator von DTM.tv das Rennwochenende am Lausitzring.

Wie fällt dein Fazit des zweiten DTM-Wochenendes am Lausitzring aus?

Peter Reichert: „Im Grunde genommen haben wir das gleiche Rennwochenende wie in Hockenheim erlebt. Samstags war Lucas Auer vorne und sonntags Jamie Green. Die Rennen waren vielleicht ein bisschen unspektakulärer als in Hockenheim, aber nichtsdestotrotz waren immer noch haufenweise Überholmanöver und kitzlige Geschichten dabei. Die Teams haben sich langsam aber sicher besser auf Prozedere wie die Boxenstopps eingestellt. Also von daher war es klar, dass es nicht so durcheinander weitergehen würde, wie es in Hockenheim der Fall war. Es war ein sehr schönes, attraktives Rennwochenende. Die neuen Regularien greifen, man sieht, dass sich die ITR, der DMSB und die Hersteller über den Winter ordentlich Gedanken gemacht haben. Die Dinge die geändert wurden, sind jetzt auch tatsächlich so, dass man wirklich die Auswirkungen sieht. Und das macht die Rennen insgesamt spannender.“

Dass Mattias Ekström und Mike Rockenfeller im Rennen am Sonntag nach der ersten Runde schon die Reifen gewechselt haben, hat viele verwundert. Wie ist das mit den nun stärker abbauenden Reifen überhaupt möglich?

„Grundsätzlich stimmt das schon. Aber man muss auch die Art und Weise sehen, wie die Teams mit den Reifen umgehen bzw. wie sie an die Problematik rangehen. Man konnte in den Freien Trainingssitzungen beobachten, wie eigentlich nur die Audis und ein paar BMW eine Installation Lap gemacht haben. Das ist an sich noch nichts Besonderes. Aber in dieser Installation Lap wird ein neuer Satz Reifen verwendet, um den einfach nur anzufahren, um die Silikonschicht, die oben drauf ist, runterzufahren. Um dann das Freie Training mit einem gebrauchten Satz Reifen weiterzumachen. Weil man fürs Qualifiying zwei Sätze neue Reifen braucht. Die neuen Sätze sind natürlich immer die Schnellsten, aber nur auf einer Runde. Was Temperatur und Reifendruck-Entwicklung anbelangt, gehen die natürlich auch etwas schneller ins richtige Temperaturfenster, haben aber den Nachteil, dass sie danach stärker abbauen. Das tut ein angefahrener Reifen nicht. Er entwickelt seine Temperatur nach oben und nach unten konstanter. Und so kann man mit diesem Satz fast eine ganze Renndistanz durchhalten.“  

Welche der neuen Regeln gefällt Dir am besten?

Ich kann mich da gar nicht festlegen, welche meine Lieblingsregel ist. Den Jungs ist erstmal damit gedient, dass Sie mehr Power unter der Haube haben. Dass es ein bisschen mehr vorwärts geht, als im letzten Jahr. Das finde ich schon mal ziemlich gut. Ich finde auch sehr gut, dass die Art und Weise des Qualifyings beibehalten wurde, nicht so wie in der Formel 1 mit drei Qualifikationsabschnitten, wo dann welche rausfallen. Sondern 20 Minuten gnadenlos und mit Vollgas, das finde ich super. Ich finde auch die Boxenstopps gut, mit nur noch einem Schlagschrauber pro Seite, das sorgt für ordentlich Verwirrung. Klar, wir sehen jetzt keine Weltrekorde mehr, aber das macht ja nichts. Dafür ist die Fehlerquote umso höher, und dadurch kann so ein Rennergebnis mal schön durcheinander gewürfelt werden. Das sind alles gute Dinge. Es kommt jetzt alles mehr auf den Fahrer an. Das Funkverbot finde ich sehr geil, auch wenn es die Hersteller vielleicht noch nicht so ganz verinnerlicht haben. Aber jetzt ist es noch viel mehr eine Fahrer-Meisterschaft. Ich unterstreiche das Wort Fahrer, weil es jetzt vielmehr auf den einzelnen Piloten ankommt, und weniger darauf, wie er vom Kommandostand geführt wird.“

Was war am Wochenende mit BMW los? 

Ich habe eine optimistische und eine pessimistische Version. Die optimistische Version ist die, dass für BMW mit dem Lausitzring die Strecke bereits hinter ihnen liegt, auf der sie auch in den vergangenen Jahren am wenigsten gut zurechtgekommen sind. Woran das liegt, müsste man bei BMW erfragen. In der gesamten Geschichte des Lausitzrings gab es nur einen Sieg für BMW. Die pessimistische Version sieht so aus, dass ich das Gefühl habe, dass die Jungs im Qualifying gut dabei sind, es aber über die Distanz nicht wirklich hinkriegen. Das kann auch an den Strecken gelegen haben und kann sich in Budapest oder am Norisring ganz anders darstellen. Ich glaube aber, dass die vor allem an der Rennperformance arbeiten müssen.“

Werden sich Lucas Auer und Jamie Green jetzt bis zum Ende um den Gesamtsieg streiten, oder hast Du noch andere Fahrer auf der Rechnung?

Ich sehe noch ein paar andere. Alle, die in der Tabelle jetzt relativ dicht dahinterliegen. Ein Robert Wickens, oder ein Mike Rockenfeller, der hat schon mal bewiesen, dass er Meister werden kann. Er hat eine sehr gute Frühform. Da gibt es schon noch ein paar Kandidaten. Auch einen Timo Glock würde ich noch nicht abschreiben. Obwohl er im Moment scheinbar im schwächsten Auto sitzt. Bei Lucas Auer wird es interessant sein, zu verfolgen, wie er jetzt damit umgeht, dass er nun wirklich mittlerweile auch bei dem Letzten im Fokus angekommen ist. Das ist ein Unterschied, ob man frank und frei losfährt oder die ganze Zeit unter Beobachtung steht und den Druck hat, Ergebnisse abliefern zu müssen. Bei Jamie Green ist es die alte Sache, der Junge ist seit 2005 dabei und war gefühlt schon dreimal Meister. Ich könnte mir gut vorstellen, dass bei ihm dieses Jahr der Knoten so richtig platzt. Auer und Green sind jetzt erstmal die Favoriten, aber das kann sich alles noch sehr stark drehen.“

René Rast ist bisher die positive Überraschung der Saison, Paul Di Resta, die negative. Siehst Du das genauso?

Da folge ich zu einhundert Prozent. Rast ist tatsächlich eine sehr positive Überraschung. Der kümmert sich um nichts und fährt seinen Stiefel runter. Man hat das Gefühl, dass der Junge jahrelang in den falschen Serien unterwegs war. Jetzt ist er endlich angekommen in der richtigen Serie, wo er sein ganzes Potential entfalten kann. Bei Paul Di Resta habe ich fast das Gefühl, dass er Rennfahren im Moment nicht so wirklich als seine Hauptbeschäftigung angeben würde. Ich weiß zwar nicht, was er sonst so macht. Aber er fällt aus dem Mercedes-Sextett doch sehr stark raus. Da muss man nur in die Geschichtsbücher gucken, er hat ja auch das Ziel wieder in die Formel 1 zurückzukehren. Mit solchen Leistungen kann er sich das komplett abschminken.

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