Neue Rubrik: „Ein Thema für Norbert Haug“ | DTM.com | Die offizielle Webseite
2016-05-11 09:15:00

Neue Rubrik: „Ein Thema für Norbert Haug“

Die neue Rubrik auf DTM.com mit ARD-Experte Norbert Haug

Während eines DTM-Wochenendes passieren Dinge, die sich nicht in zwei einfachen Sätzen erklären lassen. Dinge, die Experten am besten beurteilen, analysieren und erklären können. Wer käme besser für diesen Job in Frage als Norbert Haug. 22 Jahre (1990 bis 2012) fungierte er als Motorsport-Chef von Mercedes-Benz, seit 2014 analysiert er im Fernsehen als ARD-Experte und Co-Kommentator die Geschehnisse vor, während und nach den DTM-Rennen. In dieser Saison macht sich auch DTM.com sein Fachwissen und seine Insider-Kenntnisse zu nutze. Jeweils mittwochs nach einem Rennwochenende erscheint zukünftig unsere neue Rubrik „Ein Thema für Norbert Haug“. Im Rückblick auf Hockenheim beschäftigt sich Norbert Haug mit dem Sonntags-Qualifying der Audi, der Leistungssteigerung von BMW und nennt uns seine persönlichen Überraschungen des DTM-Auftakts.

Wie ist das Abschneiden der Audi im Sonntags-Qualifying zu erklären? Welche Taktik wurde bei den Ingolstädtern verfolgt? Was ist offensichtlich schief gelaufen?
Norbert Haug:
Die Idee war grundsätzlich gut, was dabei herauskam nicht: Die Audi-Fahrer absolvierten beim Qualifying am Sonntag lediglich einen Versuch mit neuen Reifen, um so je einen Satz neuer Reifen für das Rennen aufzusparen, und dort davon zu profitieren. Zwei weitere Faktoren scheinen Basis dieser Entscheidung gewesen zu sein: Die Audi-Strategen hielten es nicht für möglich, dass in der ersten Hälfte der Qualifying-Sitzung konkurrenzfähige Zeiten zu fahren waren; sie gingen davon aus, dass die zuvor auf Teilen der Strecke gefahrenen Rallycross-Fahrzeuge für zu viel Verschmutzung gesorgt hatten. 
Audi startete mit 10 kg Gewichtsdifferenz zu Mercedes und 17,5 kg Differenz zu BMW in dieses Qualifying und hätte sicher nichts dagegen gehabt, als drittschnellste Marke dieses Defizit nach dem Qualifying und vor dem Rennen auszugleichen. Dieses Ziel wurde erreicht - allerdings zu dem Preis, dass mit Jamie Green der bestplatzierte Audi-Fahrer lediglich auf dem elften Platz stand. Mit 0,391 Sekunden Rückstand auf die Pole-Position-Zeit von Paul Di Resta. Eine um weniger als zwei Zehntel bessere Zeit hätte Startplatz vier für Green bedeuten können, und als dann drittbeste Marke wäre immer noch Gewichtsabbau möglich gewesen.
Die strategische Grundidee von Audi ist also nicht zu verurteilen, man war davon überzeugt, auch mit nur einem Versuch auf neuen Reifen in Startreihe zwei oder drei fahren zu können, so Gewicht abzubauen, pro Fahrzeug von einem Satz neuer Reifen im Rennen zu profitieren, anstatt diesen im vermeintlich langsamen ersten Teil des Qualifyings zu verschwenden. Das vorausgegangen dritte Freie Training mit Bestzeit von Ekström im Bereich der Pole-Zeit des Vortages hatte Audi Anlass gegeben, wie beschrieben zu planen. Tatsächlich fanden sich dann alle acht Audi auf den Startplätzen elf bis 24 wieder, zwischen 0,391 und 1,095 Sekunden langsamer als die Bestzeit.

Was ist mit den BMW in der Nacht zum Sonntag passiert? Wie ist die Leistungssteigerung zu erklären?
Nach dem Qualifying am Samstag bekam BMW reglementsbedingt eine Gewichtsdifferenz zum Polesitter Audi von insgesamt 17,5 kg zugesprochen.
Das half beim Sonntagsqualifying. Aber es wäre unfair, diese Differenz als einzigen Grund der Leistungssteigerung von BMW zu beschreiben. BMW hat sich von Samstag auf Sonntag ganz deutlich gesteigert, eine bessere Abstimmung gefunden und sich insgesamt aus eigenen Stücken und damit verdient nach vorne entwickelt. Und exakt das ist von BMW zu erwarten. Schade dabei, dass Timo Glock wegen einer Maßüberschreitung von 1,9 Millimeter am Heckdeckel seines über Nacht reparierten Fahrzeugs seinen sauber herausgefahrenen zweiten Platz verloren hat. Aber bei der Einhaltung von Regeln darf es in der DTM keine Diskussion oder Entscheidungen nach Augenmaß geben, sei das Resultat, das dabei herauskommt noch so hart. Sehr sportsmännisch, wie Sportchef Jens Marquardt und Timo Glock auf das Urteil reagiert haben, Kompliment. Niederlagen stumm runterzuschlucken ist viel schwieriger als Siege lauthals hinauszujubeln.

Wer oder was war an diesem Wochenende aus Ihrer Sicht die größten Überraschungen - in positiver wie auch in negativer Hinsicht?
BMW war nach eher mäßigem Samstagsrennen am Sonntag die erwähnte gute Überraschung, was hoffentlich der Startpunkt für den über die ganze Saison fortgesetzten Dreikampf der Marken und ihrer Fahrer sein wird. Mercedes überzeugte am Samstag und am Sonntag, und ich denke, wir werden mehr Sternenglanz in der DTM 2016 sehen. Wenn man über zwei Jahrzehnte lang mehr Rennen in der DTM gewonnen als verloren hat, dann will man da natürlich wieder hin und bei jedem Rennen die Chance auf den Sieg haben. Gary Paffett lieferte am Sonntag nach seiner von ihm unverschuldeten Drive-Through-Strafe ein Bilderbuchrennen und bewies: Gebt mir das richtige Auto, und ich überhole was das Zeug hält. Das war DTM at it’s best - Garys Fahrt vom vergangenen Sonntag qualifiziert sich leicht in die Top 10 der besten Aufholjagden der DTM-Geschichte und ich bin sicher, alle Fans wollen 2016 mehr solche Darbietungen aller Marken und Fahrer sehen.
Audi wird in Spielberg stark zurückkommen und ab dann für immer wissen, dass gute Startplätze besser sind als gute Reifen.
Und wer nach einer Entscheidung, die sich hinterher als falsch herausstellt, sagt, "mir hätte das nicht passieren können" sollte sich fragen, ob dies zu sagen die richtige Entscheidung war.

Viele Zusatzinfos und die gesamten DTM-Übertragungen der ARD findet ihr auf sportschau.de/DTM

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