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2000-08-21 20:02:47

Stars neben der Spur

Ausgerechnet die Publikumslieblinge Joachim Winkelhock und Uwe Alzen lieferten auf dem Nürburgring Fahrten zum Abgewöhnen. Die beiden Opel-Piloten rumpelten mehrfach von der Bahn und fanden sich im hinteren Mittelfeld wieder. Weder Winkelhock noch Alzen haben das Rennfahren verlernt – aber sie stießen an die Grenzen ihres Materials. An die gleichen Grenzen, die auch Manuel Reuter den Titel kosten können.

Elf. Die Analyse von Uwe Alzens beiden Rennen auf dem Nürburgring brachte die Zahl elf zutage. Nicht weniger als elfmal fand sich der Westerwälder in der Eifel neben der Strecke wieder. "Ach, Katastrophe", bilanzierte Alzen entsprechend kurz, aber prägnant. "Das war ein reines Katastrophen-Rennen. So was habe ich in meiner zehnjährigen Laufbahn noch nicht erlebt."

Auch Joachim Winkelhock war schier perplex. Der ehemalige STW-Meister und Gesamtsieger bei den 24 Stunden von Le Mans resümierte über seine Ausrutscher am Sonntagnachmittag: "So oft war ich während des gesamten letzten Jahres nicht im Gelände."

Mit Trocken-Abstimmung unterwegs
Winkelhock stellte sein V8 Coupé im zweiten Rennen ab, weil er bei einem Ausritt den Unterboden beschädigt hatte und seitdem Funken und Rauch unterm Auto aufstiegen. "Ich war 16. oder irgend so was. Bevor das Ding komplett abbrennt, komm´ ich da doch lieber rein. Das brauchst nämlich in der Situation grad gar nicht..." Wie alle Opel-Fahrer waren auch Winkelhock und Alzen im ersten Rennen mit einer Trocken-Abstimmung unterwegs. Weil es erst kurz vor dem Start begonnen hatte zu regnen, langte das als einzige Anpassung zum Wechsel auf Regenreifen. Aber: Auch die Fahrwerke der Mercedes waren auf trocken getrimmt. Und deren Piloten flogen den Opel-Mannen geradezu davon.

Nicht direkt nach dem Start zu Lauf eins, freilich: Da hielt Alzen, von der zweiten Startposition losgetobt, sich noch auf Schlagdistanz zum Führenden Bernd Schneider und konnte sich sogar ein bißchen Luft auf Verfolger Peter Dumbreck verschaffen. Aber dann blieb auf der Start/Ziel-Geraden der dritte Gang stecken, als Alzen eine höhere Fahrstufe einlegen wollte. "Ich musste fast anhalten und habe mit Gewalt versucht, den Gang da raus zu bringen. Dabei hat das Auto auch noch zweimal runtergeschaltet, so dass ich den Motor überdreht habe – aber dabei ist zum Glück nichts passiert", schlägt der Leidgeprüfte innerlich die Hände überm Kopf zusammen. "Aber ich war erstmal Letzter."

Kaputter Wischerantrieb
Mit der dann fälligen Aufholjagd war´s auch Essig, weil der Scheibenwischermotor am Opel durchbrannte und den Wischer in senkrechter Stellung auf der Scheibe festnagelte. Ohne nennenswerte Sicht nahm das Schicksal im ersten Rennen seinen Lauf – und löste einen Kettenreaktion aus. Denn statt in der Pause ein Nass-Setup einzubauen, musste das malade Getriebe gewartet und der kaputte Wischerantrieb getauscht werden.

Winkelhocks Crew konnte dagegen wenigstens den Stabilisator weicher stellen – genau wie die Phoenix-Mechaniker am Auto von Manuel Reuter. Der Effekt ließ zu wünschen übrig. "Wir kriegen die Reifen einfach nicht so warm, wie sie sein müssten, damit sie optimalen Grip entwickeln", hadert Winkelhock. "Beim Bremsen, Einlenken und Beschleunigen fehlt dir ganz einfach die Traktion. Sobald das Auto mal ins Rutschen kommt, kann man nur noch vom Gas gehen." Die Opel-Fahrer beklagen schon bei trockener Fahrbahn ein diffiziles Fahrverhalten ihrer Dienstwagen. Wenn man zu sehr ans Limit kommt, mündet das nicht in einem kontrollierbaren Drift, sondern meist in einem plötzlichen Ausbrechen des Hecks. "Snap Oversteer", heisst das im Motorsport-Fachenglisch. Alzen: "Es fühlt sich an, als ob unser Auto beim Einlenken total verspannt wäre." Reuter notierte auch im trockenen Training auf dem Nürburgring einen Wechsel von Unter- und Übersteuern. "Da war alles dabei, je nach Kurve."

"´ne Krawatte von eins zu tausend"
Dass der Mainzer dennoch so viel besser aussah als die beiden hoch gehandelten Alzen und Winkelhock, erklärt Alzen mit der Ausgangslage seines Markenkollegen: "Er fährt um die Meisterschaft, dann bist du automatisch mit einem komplett anderen Stil unterwegs. Er ist ja nur rumgerollt." Winkelhock und er hätten dagegen versucht, mit Gewalt ein gutes Resultat herauszufahren. "Wenn dir so früh im Rennen und an so guter Position der Gang stecken bleibt", räumt er ein, "dann hast du doch schon wieder ´ne Krawatte von eins zu tausend. Man kommt doch auch immer mehr in Zugzwang. Ich habe mir zehn Jahre lang einen guten Namen aufgebaut – den will ich doch jetzt nicht auf einen Schlag wieder verlieren." Auch Winkelhock, von BMW als neuer Star zu Opel gekommen, leidet unter dem Reputationsverlust. "Wenn ich als einziger so rumeier´", schwächt er allerdings ab, "dann muss ich mich schon fragen: Hab ich´s Fahren verlernt, oder bin ich komplett blöd? Aber es ist ja am Wochenende allen so gegangen."

In der Tat: Stefano Modena, Michael Bartels und Eric Helary bewiesen mit mehr oder minder häufigen Exkursionen in die Eifel-Botanik, wie knifflig die Lage bei Opel war. "Wir müssen mit aller Macht sehen, dass wir die Reifen zum Arbeiten kriegen", hat Winkelhock sich und seinen Technikern daher für die kommenden Tests auf dem Lausitzring ins Lastenheft geschrieben. Alzen befand, er müsse sich nach solch einem Wochenende "erst mal wieder auf Null drehen, zu mir selbst finden". Das tat er, indem er die Anreise zu den Tests auf dem EuroSpeedway nach hinten hinausschob. Statt am frühen Montagmorgen zu fliegen, kletterte er erst am Abend zu Michael Bartels ins Auto, um dann ins südliche Brandenburg zu fahren.

Die Fahrt wird lang – aber nicht langweilig. Diskussionsstoff gibts genug. Wenn Opel überhaupt noch eine Chance in der Meisterschaft haben will, dann muss der entscheidende Fortschritt in dieser Woche erzielt werden.

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