"Sternfahrer" Uwe Alzen blickt optimistisch in die Zukunft | DTM.com | Die offizielle Webseite
2001-07-11 16:52:02

"Sternfahrer" Uwe Alzen blickt optimistisch in die Zukunft

Neben DTM-Champion Bernd Schneider und dem dreifachen Titelgewinner Klaus Ludwig war Uwe Alzen der Fahrer mit den meisten Schlagzeilen am Ende der vergangenen Saison. Der 33 Jahre alte ehemalige Opel-Werksfahrer, der 2000 mit drei Saisonsiegen in Oschersleben und zweimal Hockenheim (Finale) ebenso viele Erfolge für die Rüsselsheimer einfahren konnte, wie sein damaliger Markenkollege und Vizemeister Manuel Reuter, wechselte im Winter unter spektakulären Bedingungen von Opel zu Mercedes. Am vergangenen Wochenende erfüllte er sich selbst den größten Wunsch: Den ersten Sieg als neuer "Sternfahrer" für Mercedes.

Nach eigenem Bekunden hat dieser Erfolg viel zu lange auf sich warten lassen. Dabei stellt der Betzdorfer selbstkritisch fest: "Ich hatte von Anfang an ein siegfähiges Paket, konnte es bisher nur nicht umsetzen. Daran bin ich fast verzweifelt. Nach einem guten Saisonstart mit Rang vier in Hockenheim bin ich anschließend auf Strecken gefahren, wo nicht getestet wurde. Wenn es dann an den ersten beiden Renntagen nicht läuft und man auf Startplatz 11 und 16 steht, kommt meistens auch noch Pech hinzu, wie bei mir am Nürburgring, als ich an sechster Stelle liegend in der letzten Runde ausgefallen bin. Auch am Sachsenring bin ich unverschuldet durch einen Unfall ausgeschieden", zieht Alzen eine erste Bilanz.

In Oschersleben gelang ihm immerhin als Dritter erstmals der Sprung auf das Siegerpodest. Auch auf dem Nürnberger Norisring sah es zunächst nach einer weiteren Enttäuschung für ihn aus. Obwohl er sich persönlich in jeder Trainingssitzung zeitmäßig verbessern konnte, wurde der Zeitabstand zur Spitze immer größer.

"Ein großes Problem für Uwe ist, dass er sich selbst zu sehr unter Druck setzt und zu viel auf einmal will", sieht HWA-Cheftechniker Gerhard Ungar die bisherige Hauptursache in seiner noch schwankenden Leistung und erklärt dazu weiter: "Uwe hat ja in der Vergangenheit keine schlechten Rennen gezeigt. Ein Fahrer muss begreifen, wie solch ein DTM-Auto zu fahren ist, denn das ist eine komplexe Sache. Dabei ist es sehr wichtig, das Auto kennen zu lernen und sich darin wohl zu fühlen. Man mag es ja kaum glauben, aber auch im Motorsport spielt sich vieles im Kopf ab." Auch Mercedes-Sportchef Norbert Haug nahm Uwe Alzen am Wochenende den Druck weg als er ihm erklärte: "Manchmal kann weniger auch einmal mehr sein."

Uwe Alzen suchte das Gespräch mit Gerhard Ungar und bat ihn um Hilfe. "Er hat eine unheimliche Erfahrung und kann Fehler schneller analysieren als jeder andere. Nach meinem schlechten freien Training am Samstag haben wir die Daten verglichen und Änderungen an Fahrwerk, Sturz und Stabilisator vorgenommen. Das war der entscheidende Schritt in die richtige Richtung", erklärte Alzen im Gespräch mit dtm.de. Im Qualifying war Alzen plötzlich bei der Musik, stand zwischenzeitlich sogar zweimal auf der Pole Position und war auch mit dem dritten Startplatz - hinter seinen Markenkollegen Bernd Schneider und Marcel Tiemann - seinem besten Qualifying in Mercedes-Diensten, zufrieden.

Im Qualifikationsrennen hatte er endlich ein Auto, dass auf seinen Fahrstil abgestimmt war. Noch vor der ersten Kurve schnappte er sich Tiemann und jagte anschließend Schneider. Ein schleichender Plattfuß bedeutete in den letzten Runden erhöhte Aufmerksamkeit, denn im Schöller-S brach sein CLK immer aus und übersteuernd verlor er beim heraus beschleunigen wertvolle Zeit. Den zweiten Platz rettete er aber dennoch ins Ziel, obwohl sein rechter Hinterreifen nur noch 1 bar Luftdruck inne hatte.

Für das Hauptrennen sah Alzen einen Nachteil gegenüber Schneider: "Bernd hatte noch zwei neue Reifensätze, während ich mit einem gebrauchten beginnen musste. Also ging es für mich zunächst nur darum, ihn nicht ziehen zu lassen." Diese Aufgabe erfüllte der als großer Kämpfer bekannte Westerwälder mit Bravour, denn Schneider konnte sich nicht absetzen. Als er wegen des ständigen Hinterherfahrens und der dadurch bedingten fehlenden Kühlung Bremsprobleme bekam, funkte er die HWA-Box an. Gerhard Ungar holte ihn per Funkspruch herein und mit 7,461 Sekunden gewann seine Mannschaft den teaminternen Mercedes-Wettstreit in der Boxengasse. Als er mit seinem nun neuen Reifensatz eine Runde später Schneider vor sich aus der Box kommen sah, blies er zur entscheidenden Attacke. "Ich wusste, dass die Reifen von Bernd in der ersten Runde noch nicht die optimale Betriebstemperatur hatten und suchte deshalb meine Chance in der Dutzendteichkehre. Obwohl er sehr spät auf der Bremse war, konnte ich mich innen neben ihn setzen und die Führung übernehmen", erklärte Alzen seine erfolgreiche Taktik. Die beiden Mercedes-Asse fuhren anschließend mit schnellsten Runden in einer anderen Welt und setzten sich mit permanenten Zeiten unter 51 Sekunden deutlich von den Verfolgern ab. Mit 1,278 Sekunden Vorsprung gab Alzen im Ziel nach 44 Runden Schneider das Nachsehen und ließ seinen Emotionen freien Lauf, als er zur Freude der vielen tausend Fans mit mehreren "Donuts" auf den Start/Zielgeraden den ersten Sieg für die Marke mit dem "Stern" und seinen insgesamt vierten DTM-Triumph euphorisch und ausgelassen feierte.

Überglücklich gestand er anschließend, dass ihm nun ein Stein vom Herzen gefallen sei: "Es ist einfach traumhaft, überwältigend - endlich ist der Knoten geplatzt. Dieser Sieg ist auch Seelenbalsam für meine Mannschaft, denn die Jungs haben immer an mich geglaubt und heute ihren Teil zu meinem Erfolg beigesteuert. Bedanken möchte ich mich besonders bei Norbert Haug, der mich immer unterstützt hat und vor allem bei Gerhard Ungar, mit dem ich an diesem Wochenende ein siegfähiges Paket erarbeiten konnte." Mercedes-Sportchef Norbert Haug warf den ihm zugeworfenen Ball zurück und sagte: "Großes Kompliment an Uwe Alzen. Einen Bernd Schneider auszubremsen, zu überholen und dann anschließend dem ständigen Druck stand zu halten, das verdient allen Respekt. Das ist sicher nicht leicht und in diesem Jahr nur Marcel Fässler einmal gelungen."

Zum Ausruhen oder gar Urlaub machen bleibt für den sympathischen und immer offenen Westerwälder in den kommenden fünf Wochen ohne DTM-Rennen aber keine Zeit, denn Sponsorentermine, Testfahrten und sein in Bau befindliches Anwesen erfordern nun seine ganze Aufmerksamkeit. Seine Ziele hat er dabei aber nicht aus den Augen verloren: "Es kann jetzt nur noch vorwärts gehen. Den Titel habe ich nicht im Visier, aber hinter Bernd Schneider Vizemeister werden und dabei den ein oder anderen Sieg holen, das würde mich schon sehr befriedigen", sieht er seine Zukunft durchaus realistisch.

Tickets 2019

Tickets 2019

Jetzt Tickets für die DTM-Saison 2019 im Vorverkauf bestellen.

Zur Übersicht

Zur Übersicht.

Bosch

DTM.tv

Action pur und gute Unterhaltung: Bewegende Bilder rund um die DTM.

Mehr sehen