Tom Blomqvist: „Hier in Zandvoort brauchst du sehr viel Mut“ | DTM.com | Die offizielle Webseite
2016-07-16 08:00:00

Tom Blomqvist: „Hier in Zandvoort brauchst du sehr viel Mut“

  • Tom Blomqvist hat mit dem Circuit Park in Zandvoort noch eine Rechnung offen.
  • Zweimal durfte der junge Brite in dieser Saison bereits auf dem Podium jubeln.
  • Die derzeit besten BMW Piloten: Der Gesamtführende Marco Wittmann (M.), Tom Blomqvist und sein Teamkollege Maxime Martin.

Tom Blomqvist sicherte sich im Vorjahr den Titel als bester DTM-Rookie, feierte in seinem ersten Jahr einen Sieg in Oschersleben. Auch wenn ein Sieg in dieser Saison noch fehlt, läuft es für den jungen Briten gut. 52 Punkte hat er bereits gesammelt – nur sieben weniger als in der kompletten Saison 2015 - und liegt damit auf dem achten Rang der Gesamtwertung. Wir haben mit Tom Blomqvist nach dem Ersten Freien Training in Zandvoort gesprochen. Blomqvist erzählt, warum er seine Hobbys in letzter Zeit vernachlässigt, wo er sich auf der Welt am wohlsten fühlt und wie er seine bisherige Saison bewertet.

Tom, als deinen Wohnort gibst du London an, dein Vater lebt in Schweden und deine Mutter in Neuseeland. Zudem reist du mit dem DTM-Tross quer durch Europa. Hast du eigentlich eine wirkliche Heimat? Wo fühlst du dich am wohlsten?
Tom Blomqvist:
Gut, in Schweden bin ich nicht allzu oft. So einmal im Jahr fahre ich dort hin und meist nicht so lange – im letzten Jahr war ich gar nicht da. Wir fahren nicht in Schweden, wir fahren auch nicht in England. Wir fahren aber natürlich viel in Deutschland. Da habe ich übrigens auch Verwandte. Meine Tante lebt in Kiel, wo ich auch schon viel Zeit verbracht habe.

Oh, dann sprichst du vielleicht sogar etwas Deutsch?
Nein! (lacht und wechselt wieder ins Englische). Natürlich lerne ich hier in der DTM so einiges. Aber, um es richtig sprechen zu können, bräuchte ich einen guten Lehrer, der mir richtig Druck macht.

Trotz der Besuche bei deiner Tante ist Deutschland aber doch nicht deine Heimat?!
Auf irgendeine Art schon. Mein Arbeitgeber – BMW – kommt aus Deutschland, ich verbringe schon viel Zeit dort. Aber wo meine richtige Heimat liegt? Puh, das ist wirklich nicht leicht zu sagen. Obwohl, eigentlich doch: Neuseeland. Obwohl ich Brite bin, ist Neuseeland meine eigentliche Heimat. Dort bin ich aufgewachsen, dort lebt meine Mutter. Ich fahre dort immer an Weihnachten hin und verbringe dort eine sehr schöne Zeit, meist ein paar Wochen. Ich mag an Neuseeland einfach alles. Das Wetter, die Sonne, die Strände – es herrscht dort eine unglaublich relaxte Atmosphäre. Meine Familie, die Leute dort. Alle scheinen einfach nur glücklich. Neuseeland ist ein wirklich toller Ort.

Hast du dort auch Kochen gelernt? Das ist ja eines deiner Hobbys.
Ich habe wirklich sehr gerne gekocht, bin in letzter Zeit allerdings doch recht faul in dieser Beziehung geworden. Ich lebe in London, da gibt es so viele coole Läden in denen man richtig gut und abwechslungsreich essen kann. Außerdem habe ich jetzt auch eine Freundin, die für mich kocht.

Hast du denn schon mal an Rennwochenenden etwas gekocht? Für das Team beispielsweise?
Natürlich nicht. Ich versuche meine Kochfähigkeiten auch zu verheimlichen – nachher muss ich dann doch mal (lacht). Nein. Wir haben in unserer Hospitality sehr gutes Essen, da muss ich nun wirklich nicht auch noch kochen.

Gut, du hast hier ja auch andere Aufgaben zu erledigen. Du bist heute Rennfahrer, dein Vater war ein sehr erfolgreicher Rallye-Pilot. Gab es eigentlich irgendeine ernsthafte Alternative zu deinem Werdegang, bei diesem familiären Hintergrund?
Als ich jung war, war ich oft bei den Rennen meines Vaters dabei und habe viel Zeit dort verbracht. Da wurde ich mit dem Motorsport-Virus infiziert und es war, glaube ich, schon vorhersehbar, dass ich auch in diese Richtung gehen würde. Etwas anderes stand eigentlich nie zur Debatte. Heutzutage liebe ich auch den Radsport, aber ich habe halt mit dem Motorsport zuerst begonnen.

Obwohl dein Vater Rallye-Fahrer war, hast du eine ziemlich klassische Karriere hingelegt. Vom Kartsport, über Formel-Serien bis in die DTM. Von welcher Serie hast du geträumt, als du damals mit dem Motorsport begonnen hast?
Ich glaube, 99 Prozent der Leute, die mit dem Motorsport beginnen, haben den Traum, den ich hatte: die Formel 1. Nun bin ich in der DTM und darüber sehr glücklich. Hier habe ich eine Chance bekommen und versuche, sie um jeden Preis zu nutzen.

Es ist jetzt dein zweites Jahr in der DTM. Lucas Auer sagt, dass das zweite Jahr erheblich leichter ist, als das erste. Stimmst du ihm da zu? Dein erstes Jahr war ja nun auch nicht schlecht.
Als Rookie hast du es in der DTM nicht leicht. Ich habe das auch ehrlich gesagt unterschätzt und nicht damit gerechnet, dass es so schwer sein würde. Alles geht so eng zu, der Wettbewerb ist unheimlich groß. Aber, ich habe viel gelernt, konnte durch meine Erfolge in der zweiten Saisonhälfte Selbstvertrauen tanken. Aber klar, das zweite Jahr ist wirklich einfacher. Du bist viel relaxter, weißt was dich in einer Saison und an den Wochenenden erwartet. Aber einfach wird es nie werden. Dafür ist in der DTM die Leistungsdichte viel zu hoch.

Bist du denn mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden?
Mit der Leistung können wir zufrieden sein. Natürlich haben wir auch ein paar Gelegenheiten liegen lassen, aber im großen und ganzen sind wir bisher sehr gut aufgestellt. Auch die Punktausbeute stimmt.  Ich bin immerhin Achter in der Gesamtwertung – alles ist da noch möglich.

Dein Teamkollege Maxime Martin ist ebenfalls gut unterwegs, hat zehn Punkte mehr gesammelt und liegt auf Platz fünf. Ist das ein Problem innerhalb des Teams?
Absolut nicht. Ist doch toll. Maxime und ich sind hinter Marco derzeit die besten BMW-Piloten. Wir profitieren voneinander und arbeiten wirklich gut zusammen. Maxime macht bisher einen hervorragenden Job und fährt sehr konstant. Zudem hat er schon viel Erfahrung in der Serie gesammelt. Das hilft mir in meiner Entwicklung.

Jetzt steht Zandvoort ins Haus. Da hast du noch eine offene Rechnung aus dem Vorjahr zu begleichen, oder?
Allerdings. BMW war dort sehr stark und ich bin im ersten Rennen zwar Siebter geworden, wurde am Sonntag im Qualifying aber extrem geblockt und musste von weit hinten starten. Da hatte ich wirklich sehr viel Pech. So ein dominantes Auftreten von BMW wird es in diesem Jahr nicht mehr geben. Das hat man schon im ersten Freien Training gesehen.

Da hattest du auch ein paar Probleme, oder?
Ja, es lief nicht unbedingt gut. Von Beginn an hing ich etwas hinterher und hatte Schwierigkeiten, in den Rhythmus zu kommen. Wir haben ein bisschen was ausprobiert, was aber nicht wirklich geklappt hat. Aber, deshalb mache ich mir keinen Kopf – morgen kann es schon wieder ganz anders aussehen.

Das Rennen am Samstag ist erstmals in dieser Saison sehr spät. Kommt dir das entgegen, oder bist du ein Morgenmensch?
Auf keinen Fall. Das passt mir schon sehr gut. Ich schlafe gerne etwas länger.

Den Kurs hier magst du aber, wie viele deiner Kollegen auch, oder?
Ja, total. Es gibt viele schnelle, viele langsame Kurven. Viele sind dazu sehr wellig, es geht hoch und runter. Manche sind richtig furchteinflößend, du brauchst hier schon eine gehörige Portion Mut. Das finde ich toll.

Wie schwer ist es hier zu überholen?
Extrem schwer. Eigentlich hast du nur eine Chance am Ende der Start-Ziel-Geraden. Vielleicht kann man mit dem DRS noch einiges ausrichten, aber es ist schon extrem schwer.

Bevor du in dein Auto steigst, hast du da eine spezielle Routine? Etwas, was dir Glück bringt?
Nein. Gut, bevor die Rennen beginnen warte ich immer bis zum letzten Moment, ehe ich nochmal die Toilette aufsuche. Das ist aber eher eine Vorsichtsmaßnahme (lacht).

Hast du jemanden dabei, der dir Glück bringen könnte?
Ja, meine Mutter ist hier, mein Opa und auch meine Freundin. Außerdem noch ein paar Freunde der Familie. Das freut mich sehr. Ich hoffe, ich werde sie an diesem Wochenende nicht enttäuschen.

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