Zandvoort-Analyse: ‚Ein Thema für Norbert Haug’ | DTM.com | Die offizielle Webseite
2016-07-20 08:30:00

Zandvoort-Analyse: ‚Ein Thema für Norbert Haug’

Zandvoort-Analyse: ‚Ein Thema für Norbert Haug’

Während eines DTM-Wochenendes passieren Dinge, die sich nicht in zwei einfachen Sätzen erklären lassen. Dinge, die Experten am besten beurteilen, analysieren und erklären können. Wer käme besser für diesen Job in Frage als Norbert Haug. 22 Jahre (1990 bis 2012) war er Motorsport-Chef von Mercedes-Benz, seit 2014 analysiert er im Fernsehen als ARD-Experte und Co-Kommentator die Geschehnisse vor, während und nach den DTM-Rennen. In dieser Saison macht sich auch DTM.com sein Fachwissen und seine Insider-Kenntnisse zu nutze. Jeweils mittwochs nach einem Rennwochenende erscheint unsere Rubrik ‚Ein Thema für Norbert Haug’. Im Rückblick auf die Rennen in Zandvoort beschäftigt sich Norbert Haug unter anderem mit den Reifenschäden bei Mercedes-AMG, dem Abschneiden von BMW und den Altmeistern Mike Rockenfeller und Timo Scheider. 

Wie sind die Reifenschäden von Robert Wickens und Christian Vietoris zu erklären? Liegt es eventuell an der  Abstimmung der Autos, oder am aggressiven Fahrstil?

Norbert Haug: Die beiden Schäden an den Fahrzeugen von Wickens und Vietoris traten zwar fast gleichzeitig auf, hatten aber laut Auskunft von Mercedes unterschiedliche Ursachen. Demnach fuhren beide Fahrer auch nicht mit identischen Luftdrücken und Sturzwerten. Die Untersuchungen zur Ursachenforschung dauern noch an, während diese Zeilen bereits veröffentlicht werden und bestimmt gibt es spätestens beim nächsten DTM-Rennen in Moskau eine genaue Erklärung seitens Mercedes und Reifenpartner Hankook. Beim Auto von Robert Wickens schloss man nach dem Rennen eine Beschädigung des linken Vorderreifens durch ein Trümmerteil nicht aus. Aber die Fahrer haben in Zandvoort sicher nichts falsch gemacht. 

„Beim Auto von Robert Wickens schloss man eine Verletzung des Reifens durch ein Trümmerteil nicht aus.“

Fatal, dass die Reifenschäden ausgerechnet jene beiden Fahrer betrafen, die bereits am Norisring nach ihrer unfreiwilligen Beschleunigung durch Konkurrent Mattias Ekström den möglichen Sieg und möglichen Platz zwei verloren hatten. Zwei ganz unterschiedliche Gebrechen kosteten die beiden an zwei aufeinanderfolgenden Rennwochenenden jeweils zwischen 30 und 40 Punkte in der Meisterschaftstabelle. Im Falle von Wickens sind das annähernd die Hälfte jener Punkte, die bisher auf seinem Konto stehen, im Falle von Vietoris fast so viele, wie er bisher gutgeschrieben hat.

Warum konnten die BMW ihrer Favoritenrolle in Zandvoort nicht gerecht werden? Und was macht Marco Wittmann -  der als einziger dennoch massig punktete - besser als seine Markenkollegen?

Die BMW waren bei ihren Zandvoort-Durchmärschen zum Sieben- und Fünffachsieg in den  beiden Rennen des vergangenen Jahres dank dem damaligen Performance-Gewichte-System leichter als die Konkurrenz und hatten so einen Leistungsvorteil. Dieses System wurde 2016  verändert und ohne diesen deutlichen Gewichtsvorteil war BMW vor Zandvoort 2016 keineswegs als haushoher Favorit anzusehen, was die Rennen am vergangenen Samstag und Sonntag bestätigten. BMW hatte in Zandvoort diesmal nicht den Speed, um aus eigener Kraft um Siege zu kämpfen. Marco Wittmann ließ sich mit Platz zwei und Platz vier in Holland dennoch insgesamt 30 Punkte gutschreiben. Nur Sonntagssieger Jamie Green fuhr im Audi seines Rosberg-Teams insgesamt fünf Zähler mehr ein, Gary Paffett holte im Mercedes des Art-Teams ebenfalls 30 Punkte. Wittmann hat bei zehn Rennen einmal nicht gepunktet, während seine ersten vier Verfolger der augenblicklichen Tabelle alle mindestens viermal nicht in den Punkterängen ankamen. Ihre Ausfälle, ob durch unverschuldeten Rempler oder Reifenschaden, brachten zusätzlich Zählbares auf das Wittmann-Punktekonto, am Norisring-Samstag und am Zandvoort-Sonntag acht Punkte durch das jeweilige Ausscheiden von Wickens und Vietoris. 

Wittmann ist ein exzellenter Fahrer und wurde 2014 nicht durch Zufall Meister. Und er nimmt immer gerne mit, was seine Konkurrenten - aus welchen Gründen auch immer - liegen lassen. So jedenfalls in der ersten Saisonhälfte. Aber Wittmann ist derzeit nicht nur der Erste in der Tabelle, sondern auch der Erste, der weiß, dass der Verlauf der ersten Halbzeit nicht nur beim Fußball dem entsprechen muss, was die zweite Halbzeit zu bieten hat.

Was ist nur mit den beiden Altmeistern Timo Scheider und Mike Rockenfeller los? Während die Markenkollegen feiern, hinken sie ganz weit hinterher…

Das Phoenix-Team von Ernst Moser gehört zu den bewährten und erfolgreichen Mannschaften der DTM, gewann 2013 mit Mike Rockenfeller den Titel und Timo Scheider war 2008 und 2009 im Audi des Abt-Teams Meister. Drei Titel und gemeinsam sechs Punkte 2016 sind eine indiskutable Bilanz dieser Mannschaft und ihrer Fahrer, zum Vergleich dazu hat das bestplatzierte Audi-Team Abt Sportsline 140 Zähler mehr geholt. Es ist sicher nicht möglich, hier treffsichere Analysen von außen zu machen, aber weder haben Mike Rockenfeller und Timo Scheider über Winter das Autofahren verlernt noch die Phoenix-Leute geschlampt und nicht versucht, absolut wettbewerbsfähig zu den Rennwochenenden zu kommen. 

„Weder haben Rockenfeller und Scheider über Winter das Autofahren verlernt, noch hat das Phoenix-Team geschlampt.“

Ich bin sicher, die fünfwöchige Sommerpause wird intensiv genutzt, um gemeinsam mit Audi Sport wirkungsvolle Ursachenforschung zu betreiben, die so reichhaltig vorhandenen Daten müssen Aufschluss geben, wo es Defizite zu den Audi-Wettbewerbern gibt. Die Gründe werden gefunden und abgestellt werden. Ich möchte hier keinen Phoenix-Audi-Sieg nach der Sommerpause in Moskau prognostizieren - ausschließen würde ich diesen aber genauso wenig. Gerade bei der Fehlersuche liegt die Kraft in der Ruhe, im fokussierten und analytischen Vorgehen. Audi Sport und das Phoenix-Team haben diese Vorgehensweise immer dann praktiziert, wenn es darauf ankommt.

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